Unter dem Motto „Potenziale erkennen, entwickeln und nutzen“ findet der diesjährige Internationale Trainer-Kongress (ITK) des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) in Mainz statt. Am dritten und letzten Tag gab unter anderem Achim Beierlorzer, zuletzt Geschäftsführer Sport beim SSV Jahn Regensburg, theoretische und praktische Impulse zum Trend des mannorientierten Angriffspressings. FT-Redakteur Jonas Aulkemeyer begleitet den ITK und berichtet von dort.
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Mannorientiertes Angriffspressing
Teams wie der FC Barcelona, Paris Saint-Germain oder der FC Bayern München praktizieren sehr erfolgreich ein hohes Angriffspressing und agieren dabei häufig mannorientiert. Mit dieser aktiven und mutigen Herangehensweise erzeugen sie Dominanz und kommen nach frühen Balleroberungen zu gefährlichen Chancen. Gleichzeitig gelingt es trotz einiger Risiken, über weite Strecken auch defensiv stabil zu stehen.
Das hohe Anlaufen steht für eine aktive und agierende Herangehensweise. Die Art und Weise bietet neben dem Vorteil der Aktivität einige weitere Chancen. Dazu zählen:
- hohe Ballgewinne und im Anschluss ein kurzer Weg zum gegnerischen Tor
- erschwerte Bedingungen für den Gegner im Spielaufbau, die ihn zu langen Bällen zwingen
- Der Gegner wird weit vom eigenen Tor ferngehalten.
- Das Team demonstriert Dominanz und beeindruckt damit den Gegner.
- Der Gegner wird verunsichert.
Es ist zu beachten, dass die Herangehensweise auch einige Risiken birgt:
- Der Gegner hat viel Raum zum Spielaufbau.
- Es wird Mann gegen Mann in der letzten Ebene gespielt.
- Hinter der letzten Linie ist viel Raum.
- Nach verlorenen Duellen verteidigt man in Unterzahl.
- Gute Raumaufteilung aller: Netz erzeugen, kompakt-alle-immer!
- Passempfänger anspringen (Sprintweg = halber Passweg)!
- In Ballnähe eng und aggressiv am Mann sein!
- Verantwortungsvolles Zweikampfverhalten!
- Ballfern einrücken, Überzahl erzeugen (ballferne Spielfeldseite räumen)!
- Diagonale Spielverlagerungen verhindern!
- Tiefensicherung durch eingerückten ballfernen Außenverteidiger!
- Schnelles Schließen der überspielten Akteure, wenn der Gegner mit langen Bällen agiert!
Konsequenzen für die Trainingsarbeit
Um das mannorientierte Angriffspressing im Spiel erfolgreich anwenden zu können, bedarf es einer guten Vorbereitung im Training. Am besten gelingt diese, wenn sich dort bereits am Wettkampf orientiert wird.
Beim frühen Anlaufen ist insbesondere die hohe Belastung zu berücksichtigen. Damit die Akteure diese in den Einheiten vorab kennenlernen, wird die Belastungsdauer kurz gehalten und die Wiederholungszahl erhöht. Statt zweimal drei Minuten zu spielen, bieten sich hier sechs Intervalle mit einer Länge von jeweils einer Minute an.
Mit den Spielformen lassen sich zahlreiche Sprints, Tempoläufe, Be- und Entschleunigungen provozieren. Um in diesen bestehen zu können, ist eine ausgeprägte Grundlagenausdauer die Basis. Darüber hinaus werden die Laktatverträglichkeit und schnelle Regeneration verbessert.
Der Trainingsumfang beträgt etwa 90 Minuten und bleibt damit im moderaten Bereich. Zur Prophylaxe von Verletzungen trägt außerdem eine eiweißdominierende Ernährung direkt im Anschluss an die Einheiten bei.