Trotz nur zwei geschossener Tore gelang Paraguay mit einem Sieg gegen die Türkei und einem Unentschieden gegen Australien das Weiterkommen als Gruppendritter der Gruppe D. Was macht den deutschen Gegner aus? Wie könnte das Team von Cheftrainer Gustavo Alfaro der Nagelsmann-Truppe gefährlich werden?
Paraguays Defensive bestach bereits in der WM-Qualifikation mit nur sieben Gegentoren in zwölf Spielen. Sowohl Argentinien (2:1) sowie Brasilien (1:0) schlug man dank der eigenen Kompaktheit und Konterstärke. Allgemein steht das Team von Gustavo Alfaro eher tief und presst nur situativ hoch. Gleichzeitig versucht man meist ab Höhe der Mittelfeldlinie den Druck auf den Ballführenden hochzuhalten und verteidigt Pässe in den Rücken der Mittelfeldreihe vorwärts. Die zentralen Mittelfeldspieler orientieren sich grundsätzlich an den zentralen Gegenspielern und agieren ballnah mannorientiert.
Gelgint der Ballgewinn geht es meist auf direktem Weg in die Tiefe, um die hochstehenden Abwehrreihen des Gegners mit wenigen Pässen zu überspielen. Einer der meist nominell zwei Stürmer bleibt als Anspielstation gegen den Ball tief und bildet den Restangriff. Offensiv fällt insbesondere Julio Enciso auf, der als Stürmer die meisten Torchancen durch sein Dribbling und Schnelligkeit einleitet.
Coach Alfaro ließ in den ersten beiden Partien mit Viererkette (4-4-2) spielen, wechselte aber die Spieler. Er zog Brightons Diego Gómez von außen ins Zentrum, um dort stabiler zu stehen und mehr Druck und Dynamik gegen den Ball zu haben. In der letzten Partie gegen Australien wechselte er ins 5-3-2, eventuell um das 3-4-3 des Gegners zu spiegeln oder mit mehr Kompaktheit das Unentschieden zu halten. Die Herangehensweise blieb aber gleich.
Spielsituationen am Flügel als Schlüssel zur Balleroberung
Auffällig ist, dass der ballnahe Stürmer defensiv das Zentrum so unterstützt, dass Paraguay dem Gegner häufig Flügelsituationen aufdrängt. Dort angekommen geht es darum, entweder eine einfache Über- oder Gleichzahl zu kreieren. Paraguay agiert dann ballnah mannorientiert und geht auch Wege in die Tiefe unabhängig der eigenen Position mit.
Im Lösen dieser Situation liegen Möglichkeit und Gefahr zugleich. Ziel wird es sein, aus dieser Ausgangssituation den Weg Richtung Tor zu finden. Aufschlussreich ist dabei der Vergleich der ersten Halbzeiten von USA und Türkei: Die USA setzte auf freiere und häufigere Freilaufbewegungen sowie Positionswechsel, die Türkei hingegen eher auf ein Positionsspiel, das erst durch Pässe in die Tiefe Bewegung auslöst. Erstere Herangehensweise war deutlich erfolgreicher, weil die Amerikaner so immer wieder Lücken rissen und Positionswechsel der Paraguayer erzwangen. Das ballnahe mannorientierte Agieren führte gegen die türkische Herangehensweise hingegen immer wieder zu Ballgewinnen durch Vorwärtsverteidigen.
Schritt 1: USA gegen Paraguay (16. Minute)
Antonee Robinson (5) bietet sich kurz an und zieht so den Außenverteidiger aus der Kette. Folrain Balogun (20) steht tief und bindet die Innenverteidiger. Christian Pulisic (10) ist im Zentrum auf Höhe der Mittelfeldkette und startet mit dem Pass mit Tempo in die Tiefe und bindet den Außenverteidiger sowie den ballnahen Innenverteidiger.
Schritt 2: USA gegen Paraguay (16. Minute)
Robinson dribbelt in die Mitte, Weston McKennie (8) startet nach erhält den Ball und leitet sofort an Balogun weiter. Durch die hohe Position von Sergino Dest (2) entsteht eine kurzzeitige 2-gegen-1-Situation, die …
Schritt 3: USA gegen Paraguay (16. Minute)
… Balogun mit dem Pass auf Dest ausspielt. Dest schließt ab, aber der Torwart hält.
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Schritt 1: USA gegen Paraguay (16. Minute)
Antonee Robinson (5) bietet sich kurz an und zieht so den Außenverteidiger aus der Kette. Folrain Balogun (20) steht tief und bindet die Innenverteidiger. Christian Pulisic (10) ist im Zentrum auf Höhe der Mittelfeldkette und startet mit dem Pass mit Tempo in die Tiefe und bindet den Außenverteidiger sowie den ballnahen Innenverteidiger.
Schritt 2: USA gegen Paraguay (16. Minute)
Robinson dribbelt in die Mitte, Weston McKennie (8) startet nach erhält den Ball und leitet sofort an Balogun weiter. Durch die hohe Position von Sergino Dest (2) entsteht eine kurzzeitige 2-gegen-1-Situation, die …
Schritt 3: USA gegen Paraguay (16. Minute)
… Balogun mit dem Pass auf Dest ausspielt. Dest schließt ab, aber der Torwart hält.
Lösungen gegen mannorientiertes Verteidigen auf dem Flügel
Die Amerikaner haben gezeigt, wie sich das Verteidigen Paraguays aushebeln lässt. Ein Schlüssel ist das frühzeitige Belaufen der Tiefe, um die Schnittstellen zwischen den Verteidigerketten freizuziehen. Das bedeutet: weniger den Gegner in den Strafraum drücken, um ihn durch eine Überzahl auszuspielen, sondern vielmehr den Ball in Bewegung zu halten und den im 1-gegen-1 zu bespielenden Raum möglichst groß zu halten. Durch schnelle Verlagerungen wird es auch schwieriger für die zentralen Mittelfeldspieler auf den Flügel zu unterstützen.
Exemplarisch für so eine Herangehensweise könnte der unten abggebildete Angriff der deutschen Mannschaft gegen Ecuador in der ersten Halbzeit sein (25. Minute).
Szene 1: Deutschland verlagert
Joshua Kimmich (6) leitet den Pass von Leroy Sané (19) weiter auf Alex Pavlovic (6). David Raum (22) bindet seinen Gegenspieler im Zentrum und Pavlovic verlagert auf den sich hoch anbietenden Florian Wirtz (17).
Szene 2: Deutschland beläuft und bespielt die Tiefe
Mit dem Pass auf Wirtz (17) starten Raum (22) und Kai Havertz (7) mit Tempo in die Tiefe und öffnen so Räume in den Rücken auf, in die Jamal Musiala (10) nachstartet. Er wird im letzten Moment am Abschluss gehindert.
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Szene 1: Deutschland verlagert
Joshua Kimmich (6) leitet den Pass von Leroy Sané (19) weiter auf Alex Pavlovic (6). David Raum (22) bindet seinen Gegenspieler im Zentrum und Pavlovic verlagert auf den sich hoch anbietenden Florian Wirtz (17).
Szene 2: Deutschland beläuft und bespielt die Tiefe
Mit dem Pass auf Wirtz (17) starten Raum (22) und Kai Havertz (7) mit Tempo in die Tiefe und öffnen so Räume in den Rücken auf, in die Jamal Musiala (10) nachstartet. Er wird im letzten Moment am Abschluss gehindert.
Übertrag ins Training
Das Angreifen im letzten Drittel hängt auch von der Verteidigungsstrategie des Gegners ab. Entscheidend ist ein gutes Verständnis für die gegebene Situation und die eigenen Qualitäten. Häufig gilt es zu erkennen, welche Positionierung und welches Timing nötig sind, um durch Dynamik Überlegenheit zu entwickeln. Um im Training den Transfer in den Wettkampf herzustellen, sollte die Spielsituation als Ausgangspunkt dienen. Je nach Schwerpunkt – technische Umsetzung, Entscheidung oder Abstimmung – können Gegnerdruck und Spielerzahl angepasst werden.