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S C H I E D S R I C H T E R - Z E I T U N G 5 / 2 0 1 2
Titelthema
Schiedsrichter-Oscar für z
Knut Kircher (Rottenburg) und Christine Baitinger (Friesenheim) sind die DFB-Schiedsrichter des Jahres
Auszeichnung für ihre Leistungen in der vergangenen Saison. David Bittner hat mit den beiden Unpartei
W
enn kurz vor Saisonende die
beiden Spitzenteams der Liga
aufeinandertreffen, finden die
Medien stets die gleichen Super-
lative: „Topspiel“ oder „Meister-
schafts-Finale“ sind noch harmlos,
Bundesliga-Gipfel“ oder „Hammer-
Duell“ bringen das öffentliche Inter-
esse schon eher auf den Punkt.
Der 30. Spieltag der vergangenen
Saison bot mal wieder ein solches
Spitzenspiel. Borussia Dortmund
und der FC Bayern München stan-
den sich im Kampf um die Meister-
schaft gegenüber. Mittendrin: Knut
Kircher, der Unparteiische aus
Rottenburg. Allein schon die Anset-
zung für dieses Spiel, das in 200
Länder live übertragen wurde, zeigt
die Wertschätzung, die die DFB-
Schiedsrichter-Kommission seit
Jahren für den 43-Jährigen empfin-
det. Ausverkaufte Stadien und Spiele
mit besonderer Brisanz sind für den
Routinier also durchaus Alltag.
Dieses „Spiel des Jahres“ im April
war aber auch für Kircher etwas
ganz Besonderes: „Der Druck war
schon gewaltig. Man kann sich als
Schiedsrichter schließlich nicht auf
seiner Erfahrung ausruhen, son-
dern muss sich in jedem Spiel neu
beweisen“, erzählt Knut Kircher, der
seit vier Jahren von seinen Assis-
tenten Stefan Lupp und Robert
Kempter an den Seitenlinien unter-
stützt wird. „In jedem Spiel ereig-
nen sich immer wieder neuartige
Situationen, auf die man reagieren
muss – das geht nur mit voller Kon-
zentration. Trotz der Bedeutung der
Partie hatten wir aber keine Angst
davor, sondern waren stolz darauf,
das Spiel leiten zu dürfen.“ Und das
machten die drei Schiedsrichter
ausgezeichnet: So lobte die Fach-
zeitschrift „Kicker-Sportmagazin“
am nächsten Tag die „gute Aus-
strahlung“ von Kircher, der „in
einem brisanten Spiel beruhigend
gewirkt“ habe.
Für den Unparteiischen war diese
Leistung das i-Tüpfelchen auf eine
ohnehin schon überzeugende Sai-
son, die schließlich sogar die Aus-
zeichnung zum Schiedsrichter des
Jahres mit sich brachte. Seine 17
Bundesligaspiele der vergangenen
Saison leitete er völlig geräuschlos,
brachte sie sogar ohne einen einzi-
gen Platzverweis zu Ende. „In der
Ruhe liegt die Kraft“, antwortet der
43-
Jährige, wenn man ihn auf sein
Erfolgsrezept anspricht. Seine Sta-
tur von 1,96 Metern hilft ihm sicher-
lich dabei, wenn es darum geht,
sich auf dem Platz durchzusetzen.
Von Hektik ist bei seinen Entschei-
dungen dagegen keine Spur. „Man
ist eben, wie man ist“, meint Kir-
cher. „Und am erfolgreichsten ist
man, wenn man stets authentisch
bleibt.“
Die Spielleitungen des FIFA-Schieds-
richters seien „moderat, zurückhal-
tend und von einer starken Persön-
lichkeit geprägt“, sagte Herbert
Fandel, der Vorsitzende der DFB-
Schiedsrichter-Kommission, als
DEKRA-Vorstandsmitglied Roland
Gerdon die Trophäe an Knut Kircher
verlieh. Kircher sei ein Schiedsrich-
ter, auf den man „Häuser bauen“
könne. „Wenn er Spitzenspiele lei-
tet, können wir uns als Kommission
relaxt zurücklehnen und den Din-
gen beruhigt zuschauen. Er ist ein
Schiedsrichter, der seit vielen Jah-
ren zur absoluten Elite gehört.“
Kirchers Wahl zum Schiedsrichter
des Jahres habe die Schiedsrichter-
Vor dem Schulungszentrum der DEKRA in Altensteig: Knut Kircher und Christine Baitinger mit
ihren Trophäen.